Mein gebrochenes Steißbein

Cora - gamatron@web.de

2017-06-04

Im Dezember 2015 habe ich meine zweite Tochter geboren. Sie war klein, aber ein Sternengucker und zudem war es eine nur 40-minütige Sturzgeburt, bei der ich auf dem Rücken lag. All dies muss dazu beigetragen haben, dass ich wenige Stunden nach der Geburt unglaubliche Schmerzen an meinem Po/unteren Rücken entdeckt habe. Ich konnte nicht sitzen, aufstehen, gehen, mich drehen oder überhaupt bewegen, ohne dass es dort wie durch Messerstiche schmerzte. Noch im Krankenhaus wurden die Schmerzen auf die rasche Geburt und den Dammschnitt geschoben. Doch ab dem Tag war Autofahren war Hölle, und mein Kind allein hochzuheben unmöglich. Es war schrecklich - und die betreuende Hebamme hilflos und ratlos.

Nach sechs Wochen war ich bei einem Orthopäden. Er meinte, da sei nichts und ich bildete mir die Schmerzen nur ein. Nach 6,5 Wochen hat eine Osteopathie versucht, das Steißbein einzurenken. Danach wurde es etwas besser, aber nicht so, um zufrieden leben zu können.

Wochen später suchte ich dann einen anderen Orthopäden auf: Er ließ es röntgen und dann noch ein MRT machen. Das zeigte, dass das Steißbein und verschoben gebrochen war. Dieser Orthopäde war sehr nett, sagte aber: Wenn überhaupt helfe nur Zeit, um die Schmerzen erträglich werden zu lassen. Zudem sei es sicher, dass ich mein Leben lang das Steißbein spüren werden. Also lag ich wochenlang im Bett und starte gegen die Wand.

In dieser Zeit wurde ich mehr und mehr niedergeschlagen; ich konnte weder mein kleine Kind noch überhaupt irgendetwas wirklich genießen. Irgendwann hielt mein Mann es nicht mehr aus und sagte, dass ich endlich irgendetwas tun müsse und mir zur Not eben Hilfe im Ausland holen muss.

Die Website http://www.coccyx.org/ hat mir dabei sehr geholfen; in Deutschland scheint es niemanden zu geben, der das Steißbein wirklich kennt. In Holland war ich bei einem Chiropraktiker, aber das half nur etwa eine Woche. Ich wollte auch nicht immerzu unter Schmerztabletten nehmen - oder gar das Steißbein abtrenne lassen. (Kann aber jeden Verzweifelten verstehen, der auch das versucht, um endlich wieder schmerzfrei zu sein.)

Ich hatte auch von Michael Durtnall von der Sayer Clinic in London gelesen (Doctors and specialists in the UK, London), aber zuerst erschien es mir verrückt, extra zu einem Privatarzt nach London zu reisen. Ich bin ja keine Millionärin. Allerdings hat mich dann ein kurzer E-Mail-Kontakt mit ihm überzeugt: Nach über einem Jahr Schmerzen habe ich Reise und Behandlungen gebucht und bin Ende Februar 2017 nach London geflogen.

Ich wünscht, ich hätte es schon viel viel eher gemacht! Michael hat mich erst untersucht und dann gleich mehrere Tage hintereinander behandelt. Er hat das Steißbein durch das Rektum intern mobilisiert - das war nicht angenehm, aber auch nicht wirklich schmerzhaft. Zudem hat seine sehr kompetente, nette Art die schon recht intime Behandlung nicht peinlich werden lassen.

Zwei Wochen nach dem Termin merkte ich auf einmal, dass es besser wurde am Po. Ich schätze, so um 20 bis 40 Prozent. Und er hat mir auch ins Gewissen geredet, generell mehr für meine Haltung zu tun und nicht immer runter aufs Handy gucken und dadurch einen HandyBuckel zu entwickeln. Seine Tipps waren ganzheitlich, das mochte ich.

Ende März war ich wieder da, wieder mehrere Tage - und jetzt auch bei einer Beckenboden-Spezialistin, denn durch Geburt, langes Liegen und verbogenes Steißbein war auch der ziemlich derangiert. Wieder etwa zwei Wochen nach dem Termin wurde es besser!

Seit der Zeit arbeite ich auch an einem höher verstellbaren Tisch - das hilft auch.

Jetzt im Mai 2017 muss ich sagen, dass es Tage gibt, an denen ich fast schmerzfrei bin - meist sind dies warme, sonnige Tage, wenn Hochdruck herrscht. An kalten, nassen oder auch stressigen Tagen hingegen sich die schmerzen teilweise wieder sehr stark. Doch die guten Tage sind in der Überzahl - und so schrecklich, wie es mit 2016 ging, wird es mir nie wieder gehen.

Es war die richtige Entscheidung , nach London zu fliegen - und ich bereue nicht einen Cent, den ich bezahlt habe, denn ein Leben mit chronischen Schmerzen ist einfach nicht lebenswert!

Sobald ich ein paare freie Tage habe, werde ich wieder nach London zur Sayer Clinic fliegen, um die Behandlung fortzuführen.