Coccygodynie Typ 1 – nur eine OP konnte helfen

Alice, Germany - agross22@freenet.de

Posted 2026-08-16

Es begann mit einem harmlosen Sturz am 30.11.2024. Dabei rutschte ich in der vereisten Auffahrt aus und landete waagerecht auf dem Hintern und Rücken. Schmerzen hatte ich nicht wirklich, es kam auch nicht zu einem blauen Fleck und nach drei Tagen hatte ich das Missgeschick eigentlich schon wieder vergessen. Anfang April 2025 bemerkte ich, dass ich beim längeren Sitzen und insbesondere beim Aufstehen Schmerzen bekam. Ich dachte es liege an einer falschen Haltung und stand von da an mehr an meinem höhenverstellbaren Schreibtisch im Büro. Innerhalb von 2 Wochen verschlimmerte sich aber meine Situation deutlich. Autofahren zur Arbeit (1 Stunde Pendelzeit) und das Sitzen auf dem Bürostuhl waren kaum noch möglich, obwohl ich mir verschiedene Sitzkissen zugelegt hatte. Die meisten Beschwerden bereitete mir jedoch das Aufstehen, welches mir durch den zunehmenden Schmerz fast die Luft zum Atmen raubte. Das Gehen war dabei zu keinem Zeitpunkt problematisch.

Von da an begann meine Odyssee durch die Krankenhäuser und Orthopäden. Trotz Röntgenbilder und MRT meinten die Ärzte zwar eine kleine Fehlstellung erkannt zu haben, aber diese sei noch im Rahmen. Viele führten es auf eine angespannte Körperhaltung zurück. Cortisonspritzen oder Infusionen führten zu keiner Linderung. Auch die Physiotherapeutin konnte mir nicht weiterhelfen.

Das Universitätsklinikum in Bonn stellte erstmals einen Bruch fest. Man teilte mir mit, dass der Körper durchaus in der Lage war die Fehlstellung fast ein halbes Jahr zu kompensieren. Sie machten mir aber nicht viel Hoffnung und meinten eine Operation könnte nur zu 40 Prozent zu einer Linderung führen. Außerdem machten sie mir große Angst wegen der Wundversorgung an dieser sensiblen Stelle. Dank meines Ehemannes fanden wir dieses Forum und den Tipp sich an Prof. Dr. Achim Benditz im Klinikum Fichtelgebirge in Marktredwitz zu wenden (see Doctors and specialists in Germany).

Es wurde für September 2025 ein Termin vereinbart, bei welchem zum ersten Mal ein Röntgenbild auch im Sitzen vorgenommen wurde (sonst immer nur im Liegen oder Stehen). Prof. Benditz hörte sich meine Beschwerden ausführlich an und erkannte sofort das Problem. Der letzte Wirbel des Steißbeins war abgebrochen und drückte gegen den vorherigen Wirbel. Sobald man Aufstand schnallte der Wirbel zurück, dies verursachte den typischen Aufstehschmerz. Der Prof. meinte, dass Patienten mit dieser Art von Beschwerden am meisten von einer Operation profitieren würden (er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 300 Operationen dieser Art durchgeführt), da hier das abgebrochene Teilstück entfernt würde und somit nicht mehr drücken könne. Der Professor drängt einen nie zu einer OP, sondern versucht es zuerst mit konservativen Methoden, d.h. in der Regel mit einer Cortisonspritze.

In meinem Fall war es jedoch so eindeutig, dass bereits ein OP-Wunsch vermerkt wurde. Nach einigen Wochen (Ende Oktober) rief der Professor persönlich an und erkundigte sich, ob die Spritze Linderung gebracht habe. Da es in meinem Fall nur beim Sitzen geholfen hatte, nicht jedoch beim Aufstehen wurde ein OP-Termin für Januar 2026 ausgemacht. Die Angst vor der OP war natürlich groß, aber der Professor, welcher höchst persönlich operiert, nahm einem schnell die Bedenken. In meinem Fall dauerte die OP nur 20 Minuten. Ich hatte mich für eine Vollnarkose entschieden. Dabei wird das Steißbein mit einem Y-Schnitt geöffnet und der abgebrochene Wirbel ausgeschabt und dann zugenäht. Man bekommt einen dicken Druckverband drauf, welcher eine Woche verbleibt. Man kann wie gewohnt auf Toilette gehen. Es erfolgt eine Kontrollröntgenaufnahme und bei unauffälligem Befund kann man das Krankenhaus nach drei Tagen verlassen. In meinem Fall 6 Stunden Autofahrt liegend auf der Rücksitzbank. Ich hatte sehr starke Schmerzen, die sich auf den ganzen Beckenbereich ausbreiteten. Bei der Entlassung wurde mir mitgeteilt, dass man von Woche zu Woche schauen soll, da die Erfolge sich nur sehr langsam einstellen würden. Und dieser Satz half mir dabei die kommenden Wochen durchzustehen. Schlafen war auf dem Rücken für einen Rückenschläfer nicht möglich um die Naht nicht zu belasten. Leider konnte ich durch die Seitenschmerzen nicht auf der Seite liegen. In den ersten 2 Wochen quälte ich mich durch die Nächte und wanderte durch das Haus von Bett zu Couch und wieder zurück. Tagsüber konnte und durfte ich nicht sitzen. Meine Mahlzeiten nahm ich daher im Stehen ein und versuchte mehrere kleinere Spaziergänge zu absolvieren. Es war mühsam, aber es ging insbesondere dann bergauf, als nach etwa zwei Wochen die Fäden gezogen wurden. Es sah alles gut verheilt aus und ab dann fing ich auch an langsam wieder zu sitzen, mich immer mehr zu bewegen und auch wieder Sport zu treiben. Anhand der Bilder sieht man den Heilungsprozess. Der Professor erkundigte sich nach einigen Wochen nach dem Werdegang und mein Heilungsverlauf verlief sehr gut und zügig.

Nach etwa 5 Wochen konnte ich meine Tätigkeit im Büro wieder aufnehmen. Im Mai erlitt ich einen kleinen Rückschlag. Auf dem heimischen Rudergerät merkte ich plötzlich, dass mein Hintern wieder schmerzte und hörte unverzüglich auf. In der Nacht wachte ich mit Schmerzen und einer dicken Beule über der Naht auf. Sofort kontaktierte ich den Professor, der sich aus dem OP-Saal per WhatsApp bei mir meldete und mich beruhigte. Im inneren des Körpers verläuft einen Innennaht, die durch die Bewegung gerissen war. Dadurch sammelte sich Blut, welches zu meinem Glück aber in das umliegende Gewebe auslief, so dass ich nicht aufgeschnitten werden musste. Es dauerte allerdings wieder 4 Wochen bis alles verheilte (siehe Bilder) und sich der riesige Bluterguss abbaute. Der Professor meinte in einem weiteren Telefonat, dass er ein solches Ausmaß auch nicht gesehen hätte, aber ich dies auch als Glück sehen solle, da diese Innennaht mir vermutlich noch Druckschmerzen verursacht hätte. Mittlerweile haben wir Juli 2026 und es war trotz anfänglicher Skepsis die beste Entscheidung in meinem Leben. Ich kann wieder ohne Sitzkissen leben, muss nicht mehr im Liegen rumgefahren werden und schaue mir nicht die mehr Beschaffenheit von Stühlen an (während des Bruchs konnte ich nicht auf harten Stühlen sitzen, nach der OP drückten die weichen Stühle). Ich kann Prof. Dr. Achim Benditz nur herzlichst empfehlen und jedem den Rat geben, sich nicht allzu lange zu quälen, sondern bei Ihm vorstellig zu werden. Hier ist man wirklich gut aufgehoben und die Patienten kommen aus ganz Deutschland zu ihm (er hat eine Deutschlandkarte an der Wand, an der man eine Stecknadel setzen soll, aus welcher Region man kommt).

Alice coccygectomy